Steckbrief: Michel Saß

Wann hast du deinen Abschluss an der WKS gemacht?
2012

Was machst du wo zur Zeit beruflich?
Ich habe eine halbe Stelle in einem kleinen Grafikbüro in Berlin Schöneberg. Die restlichen zwei Drittel meiner Zeit arbeite ich selbstständig als Kommunikationsgestalter für verschiedene eigene Kunden in den Großstädten. Besonders für Startups im Interior Bereich und an meinen Freien Arbeiten.

Entspricht der Job deinen Vorstellungen?
Absolut.

Wie viele Bewerbungen hast du verschickt?
Drei

Hast du ein Praktikum absolviert? Falls ja, wie viele und wie lange?
Nach der WKS habe ich für einen Monat ein kurzes Praktikum in Hamburg für einen Monat gemacht. Ich finde länger sollte ein Praktikum zum Berufseinstieg auch nicht sein. Wenn man mit den Programmen umgehen kann und die Grundlagen der Gestaltung beherrscht – wovon man nach 3,5 Jahren Studium /Ausbildung ja ausgehen sollte – ist man mindestens nach 3 Wochen im Job so weit mit den Abläufen vertraut, dass man zumindest in den einfachen Grafikjobs honorierbare Mitarbeit leisten kann. Dann sollte man auch ein entsprechendes Gehalt bzw. Arbeitsverhältnis dafür einfordern.

Würdest du heute den gleichen Weg einschlagen?
Komplett.

Was hättest du eventuell anders gemacht?
Nichts.

Bist du mit deinem aktuellen Gehalt zufrieden?
Ja.

Wie denkst du rückblickend über deine Ausbildung an der WKS?
Was fehlte? Was war zu viel?
Ich bin wirklich froh, dass ich eine so gute Grundlagenausbildung genießen konnte. Gerade in Bezug auf traditionelle Techniken die vielen unterschiedlichen Projekte. Etwas mit Illustrator zusammen klicken kann jeder schnell lernen und man braucht darin auch nicht der Ober-Crack werden. Wenn die Idee gut ist und die verwendete Darstellungstechnik mit dem Thema matched, ist das schon eine vernünftige Arbeit. Wenn man das dann noch sauber und vernünftig digitalisieren kann, ist man dem 0815 „Hübsch machen-Kram“ schon weit voraus.
An der WKS hätte ich mir manchmal noch etwas mehr Interaktion der Semester untereinander gewünscht, daraus wären sicherlich noch mehr interessante Projekte und Seilschaften für die Zukunft erwachsen.
Ich habe mir während meines Studiums einen Blog angelegt und die Pflicht auferlegt jede Woche eine Arbeit fertig zu haben, mit der ich soweit zufrieden war, dass ich sie guten Gewissens in die Öffentlichkeit entlassen konnte. Einfach um nicht nur kreativ, sondern vor allem auch produktiv zu bleiben. Das kann ich nur jedem empfehlen.

Daher: Probiert euch aus, experimentiert mit Materialien und Techniken. Rechnerarbeit macht man im Job später noch genug.

Hast du noch einen heißen Tipp für unsere Schüler z. B. bezüglich Jobsuche, Bewerbung, …?
Generell: Lasst eure Arbeiten für euch sprechen, nicht den Lebenslauf mit tausend Praktika und Trainee-Jobs. Den Personaler will ich sehen, der einem Bewerber mit drei Monaten Berufserfahrung die aktuelle Coca-Cola-Kampagne im Portfolio abnimmt, nur weil der ein Praktikum bei Agentur XY gemacht hat.
Was meiner Erfahrung nach weit mehr neue Kunden und Arbeitnehmer überzeugt, sind eigenständige Arbeiten, die vielleicht auch mal anders sind. Gut durchdacht, mit einer schönen, stimmigen Idee. Vielleicht bekommt man das gar nicht oder nur schlecht bezahlt, weil es für kleine Kunden oder Freunde ist. Letztlich aber kann man so auch als Einzelperson neue Wege und Methoden probieren und das meist mit weit weniger Überzeugungsarbeit als bei größeren, etablierten Unternehmen – auch weil nicht alles gleich zerredet und durch zig Leute Meinungen und bereits bestehende Vorgaben geschliffen und verwässert wird. Wenn ein solcher Job trotz geringer Bezahlung dann doch zu langweilig ist, kann man das ja auch viel eher ablehnen, weil man nicht unmittelbar davon abhängig ist. Alle Kunden und Arbeitgeber, von denen ich heute gut leben kann, habe ich stets über solche „Herzblut-Jobs“ erhalten. Auch wenn die meisten nur wenig oder kaum bezahlt waren. Am Ende finde ich wiegt sich das auf, alleine dadurch, dass es meist einfach auch echt coole Jobs waren und ich beim zeigen meines Portfolios immer sagen konnte: Was Sie hier sehen ist meine Arbeit für Kunden XY. Das ist meine Arbeitsleistung, das was ich kann, von der Idee bis hin zur Drucklegung.

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